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Demokratische Republik Kongo

Partnerschaft - Jumelage Cité de Bokungu RD Congo 2004

Die Cité de Bokungu ist der Hauptort des gleichnamigen Territoriums im Distrikt Tshuapa der Equateur - Provinz der Demokratischen Republik Kongo mit über 200.000 Einwohnern auf rund 20.000 km2. Sie liegt im grossen äquatorialen Regenwald an einem Nebenfluss des Kongo - Stromes, 500 Flusskilometer von der Provinzhauptstadt Mbandaka entfernt und rund 1500 km von Kinshasa.

Die Umgebung von Bokungu war Schauplatz des "Schatten über dem Kongo", der brutalen Kautschuk - Ausbeutung durch den belgischen König Leopold II, in deren Folge die alten Sozialstrukturen zerstört, und rund die Hälfte der damaligen Bevölkerung ausgelöscht wurden. Nach den Jahrzehnten als belgische Kolonie, der anschließenden Diktatur Mobutus und in Folge des ersten afrikanischen Weltkrieges von 1997- 2004 mit seinen fast  5.000.000 Toten in Folge, liegt die Wirtschaft darnieder, ist die Infrastruktur zerstört und es herrscht extreme Armut in dem abgelegenen Gebiet. Die erfolgreich durchgeführten demokratischen Wahlen von 2006 geben Hoffnung auf Veränderung.

Seit 2004 bestehen Projektbeziehungen zwischen der Cité de Bokungu und der
Gemeinde Losheim am See, die der von 2002 - 2007 in der Diözese Bokungu - Ikela arbeitende Losheimer Wolfgang Leinen vermittelt hat. Im Sommer 2008 beschloss der Gemeinderat Losheim, eine Städtepartnerschaft mit Bokungu einzugehen, die am 24.9.08 mit der feierlichen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden im Losheimer Rathaus anlässlich eines Besuchs der Chef de Cité, Mme Martine Ekila Yafe besiegelt wurde.

Bokungu ist Schulzentrum für das Territorium mit Kindergarten, 4 Grundschulen, 5 weiterführenden Schulen und einem medizinisch - technischen Institut.  Der Unterhalt der Gebäude, die noch aus der Zeit der Kolonisatoren, bzw. der Missionare stammen, übersteigt die Möglichkeiten der 25.316 Köpfe zählenden Bevölkerung bei weitem, zudem sie noch das Schulgeld aufbringen muss und das volle Krankheitsrisiko zu tragen hat. Selbst das tägliche Essen für die Familie stellt nicht wenige in dem Verwaltungszentrum vor erhebliche Probleme. Vor kurzem hat zudem die Schweinepest alle Tiere der Stadt ausgelöscht.  In den Dörfern bauen die Menschen neben dem Hauptnahrungsmittel Maniok auch Mais, Bohnen, Soja und Reis an. Ausserdem betreiben sie Fischfang, Fischteiche und die Aufzucht von Kleinvieh. Allein es fehlt der Zugang zu den weit entfernten Märkten der grossen Städte.

Wegen seiner wertvollen Naturressourcen wird Bokungu seit dem Ende der Kriegshandlungen Ziel skrupeloser Geschäftemacher, darunter  Abholzungsfirmen und Metallsammler, denen die Ahnen - Objekte aus der Eisen - und Kupferbearbeitungszeit zum Opfer fallen. Gemeinsam mit Freunden versuchen sich die Leute am Tshuapa zu organisieren. Ein grosser Erfolg: mit internationaler Unterstützung gelang es 2008, den Verkauf von 500.000 ha Wald für ungültig zu erklären.

 Projekte

Unterstützung des lokalen Handwerks

Ziel ist es, die einzeln oder im Familienverbund arbeitenden Handwerker zu organisieren, damit traditionelle Methoden und Produkte, somit kulturelle Identität, erhalten bleiben, und wieder einen Markt finden. Aus den Blattfasern der Raphia - Palme werden Stoffbahnen gewebt. In früheren Zeiten dienten sie als Lendenschurz. Auch heute noch nutzt die Gruppe der Kitawala, die sich den „weissen“ Einflüssen verwehren, die Raphiabahnen zur Kleidungsherstellung. Die aus den gleichen Bahnen hergestellten Rücksäcke dienen der Bevölkerung als sehr stabile „Koffer“. Oft beherbergen sie die ganze Habe der Menschen. Gefärbt sind die Stoffe traditionellerweise mit Naturfarben aus gekochten Rinden, Wurzeln, Blättern. Da die Palme nachhaltig genutzt wird, sind die Raphiaerzeugnisse auch von hoher ökologischer Qualität. Die Muster variieren von Familie zu Familie, bzw. Dorf zu Dorf.

Die aktuellen Rucksäcke, „Molokai“, stellen Schüler aus den entlegenen Dörfern in Handarbeit her, um sich damit das Schulgeld zu verdienen. Mit dem Überschuss werden soziale Projekte der lokalen Organisationen finanziert wie der Kampf um die Rettung des Regenwaldes und der heimischen Kultur, Wiederaufbau und Erhalt von Schulen, ein Programm der „natürlichen Medizin“ auf Basis der Heilpflanzen des Regenwaldes, kurz zur Stärkung der lokalen Ressourcen.

Weiteres: Weihrauch wird im Wald gesammelt. Er dient der Bevölkerung als Lichtquelle. Unbehandelt verströmt er beim Erhitzen einen feinen beruhigenden Duft. Lufa, die Naturbürste für Körperpflege und Abwasch stammt von wild wachsenden Pflanzen, ebenfalls die Gewürze.

Wiederaufbau der staatlichen Sekundarschule

Während die konfessionellen Schulen zum Teil von kirchlichen Partnern unterstützt werden, stehen die staatlichen Einrichtungen fast ohne alles da. Die staatliche Sekundarschule von Bokungu ist ein aus getrockneten Lehmziegeln mit Wellblech gedeckter Bau. Tropische Regen und Stürme nagen immer wieder an dem Gebäude, das zum Teil eingefallen ist. Die Dachbleche sind nach ca. 40 Jahren verrostet, ein Teil vom Wind zerstört, so dass der Erhalt zunehmend unmöglich wird. Neue Bleche müssten her, damit die Schule für die nächsten 40 Jahre fit wird. Die traditionellen Palmstrohdächer sind für das grosse Gebäude keine Alternative, da sie alle 6-10 Monate erneuert werden müssen und in der Umgebung der Stadt schwer zu beschaffen sind. Um ein Blech nach Bokungu zu bringen, muss man 20 EUR investieren. 200 Bleche wären nötig, um ein solides Dach zu konstruieren. Das Monatsgehalt der Bürgermeisterin beträgt gerade mal umgerechnet 1,5 Bleche; die überwiegende Mehrheit hat keine bezahlte Arbeit.

Im Rahmen des Partnerschaftsbesuchs hat der Losheimer Bürgermeister eine Anschubfinanzierung mit nach Bokungu gegeben. Weitere Aktionen werden den Fortgang des Projektes unterstützen.

Rathaus von Bokungu am Abgrund

Durch die Militärbesetzung während der Kriegszeit sowieso schon erheblich beschädigt, steht das einfache aus der Kolonialzeit stammende Lehmziegelgebäude buchstäblich vor dem Abgrund. Eine Erosion hat sich bis auf 4 Meter herangefressen. Die dazwischenliegende Strasse ist schon nicht mehr nutzbar. In absehbarer Zeit muss ein Ersatz her. Auch hier wollen die Losheimer mithelfen, die fehlenden Mittel für eine dauerhafte Lösung aufzubringen.

Weitere Projekte:

Kindernotzentrum Lisalisi, Mädchengrundschule Lifala,

Handwerkerschule St. Joseph, Médecine Naturelle (Auswahl).


Spenden

Spenden können unter dem Stichwort "Projekt/Partnerschaft Kongo" auf eines dieser Konten eingezahlt werden


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