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Wer kennt schon Zimbelkraut und Mauerraute

Zimbelkraut

Stützmauern und Umfassungsmauern wurden früher ausschließlich aus Natursteinen errichtet. Viele wurden ohne Mörtel als Trockenmauer aufgesetzt.

In den letzten Jahren wurden etliche dieser Natursteinmauern in Dörfern, Städten und in der freien Landschaft abgerissen oder sind verfallen. Nackter Beton oder Betonfertigelemente, sogenannte Florwandelemente wie sie der nächste Baumarkt anbietet, treten an ihre Stelle. Letztere werden meist mit Gartenerde gefüllt und mit bunten Blumen bepflanzt. Obwohl als naturnah angepriesen, bieten sie der Natur jedoch nicht mehr Raum als ein Blumenkasten.

In ihrer zweifelhaften Ästhetik passen sie in unsere Dörfer wie die Faust aufs Auge. Ihre Regelmäßigkeit lässt außerdem den Flair vermissen, der von der dem Naturmaterial Stein ausgeht. Damit gehen nicht nur wertvolle Lebensräume sondern auch charakteristische Dorf- und Landschaftsbilder verloren.

Eine Trockenmauer oder mit Kalkmörtel gebundene Natursteinmauer bietet in ihren Hohlräumen vielen, auf den ersten Blick oft unscheinbaren Lebewesen Unterschlupf und Lebensraum. Im Laufe der Zeit siedeln sich Flechten, Moose und Farne an.

Es gibt regelrechte Mauerpflanzengesellschaften die aus typischen Farnen (Mauerraute, Streifenfarn, Schriftfarn, Tüpfelfarn), Blütenpflanzen (Zimbelkraut, Schöllkraut) und Sukkulenten (Mauerpfeffer, Hauswurz) bestehen.

Doch nicht nur seltenen Pflanzen bietet eine Mauer Lebensraum. Auch viele Tiere siedeln sich dort an. Dazu zählen viele Insekten, Spinnen, Solitärbienen, Hummeln, Kröten, Spitzmäuse, Eidechsen und viele andere.


Gartenmauern

Blume Mauerraute als "Felsenbewohner"

Manche der an Mauern lebenden Arten sind ausschließlich Felsenbewohner. Sie sind buchstäblich Kulturfolger und von ihren natürlichen Lebensräumen in den vom Menschen geschaffenen "Kunstfelsen" Mauer eingewandert. Die meisten von ihnen sind ausgesprochene Spezialisten, die Sommertrockenheit und einen kargen Standort gut vertragen.

Unwissenheit und übertriebener Ordnungssinn haben dazu beigetragen, dass es um die oft übersehene Lebensgemeinschaft an Steinmauern oft sehr schlecht steht. Sie sind zwar nicht so spektakulär wie Orchideenwiesen, teilweise aber stärker bedroht.

Gartenmauern dienen nicht nur Menschen als Begrenzung ihres Territoriums, auch viele Vögel haben ihre eigene Reviere und Mauern in Gärten werden von den Vögel gern als Begrenzungslinien zwischen benachbarten Revieren benutzt.

Eine Trockenmauer oder eine Natursteinmauer mit Kalkmörtel kann also ähnlich wie ein Gartenteich einen abwechslungsreichen Lebensraum, also ein "Biotop" für heute oft seltene Pflanzen und Tiere bieten. Es bietet sich also eine reizvolle Gelegenheit die Vielfalt der Lebewesen und ihr Zusammenwirken in diesem dorftypischen Biotop zu beobachten.

Typische Beispiele in der Gemeinde Losheim sind die alte Friedhofsmauer bei der Kirche in Rissenthal mit ihrem ausgeprägten Bestand an Mauerraute und etliche Natursteinmauern im Ortsteil Britten.


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